KUNST ZUM TRINKEN: SUFFERHEAD

Ein Projekt zur documenta14 von Emeka Ogboh in Kooperation mit CraftBee

Wer hat Angst vor schwarz? Wir schon einmal gar nicht – im Gegenteil: Unser Schwarzbier „Sufferhead“, das wir in Kooperation mit dem Künstler Emeka Ogboh eigens für die documenta 14 entwickelt und gebraut haben, hat uns wahre Freude bereitet. Craftbee wurde nicht nur Teil der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, vielmehr wurde unsere Braukunst zum künstlerischen Ausdrucksmittel!
Weil wir vor Freude noch immer die (Kron-)Korken knallen lassen und unser ganzer Stolz im „Sufferhead“ steckt, möchten wir dessen Entstehungsprozess noch einmal Revue passieren lassen – denn 50.000 pechschwarze Flaschen fallen nicht einfach so vom Himmel.

Am Anfang war da die Idee des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh für ein reines Konzeptbier namens „Sufferhead Original“. Dieses sollte die Erfahrungen, die man als schwarzer Migrant in Europa - und besonders in Deutschland - macht, reflektieren. Der Name Sufferhead bezieht sich dabei einerseits auf das Lied „Original Suffer Head“ von Fela Kuti, welches die von Massenauswanderung geprägte, miserable politische und ökonomische Lage des Nigerias der 80er Jahre thematisiert. Andererseits sollte der Name auf die Stärke des Bieres anspielen, denn ein hoher Alkoholgehalt sollte nach jedem Genuss für einen suffering head - oder ganz frei übersetzt: für einen Brummschädel - am nächsten Tag sorgen. Hier schließt sich der Kreis – „Sufferhead“ konnte so für das Klischee der „armen leidenden Afrikaner“ stehen. Kein Wunder also, dass nicht nur die Flasche im symbolischen, pechschwarzen Design daherkommt, sondern auch das darin enthaltene Bier provozieren musste.

Einige Aromen, die es schließlich in unser Sufferhead schafften, sind typisch für viele Länder Afrikas. So ist Kaffee ein gängiges Getränk in Ländern wie Eritrea oder Äthiopien, ebenso wie der beliebte Honigwein „Tej“. Mit dem Sommerhonig unserer Kasseler Stadtbienen konnten wir eine der beiden Spezialzutaten für das Craftbeer aus eigener Hand beisteuern. Die Wahl der zweiten speziellen Zutat entspringt dem Konsens vieler Afrikaner, dass das europäische bzw. deutsche Essen nicht scharf genug sei – aus diesem Grund wünschte Emeka, dass ins Bier so viel Chili kommt, dass einem fast der Kopf platzt. Und im Hinblick auf das deutsche Reinheitsgebot, das vorzuschreiben pflegt, was (nicht) in ein Bier gehört, ist der Chili ein Statement für Toleranz.

Zum Glück konnte sich unser Braumeister durchsetzen, es mit dem Chili nicht zu übertreiben, sodass alle Köpfe in Form blieben. Dennoch musste für unser Sufferhead 160 Kilogramm frischer Chili geschnitten werden – dafür verfluchen uns die Mitarbeiter der Hütt-Brauerei sicher noch immer. Nach einer ausgedehnten Experimentierphase voll Leidenschaft für unser gemeinsames Kunstwerk gelang es schließlich, die perfekte Mischung zu finden, sodass alle mit dem Imperial Stout zufrieden waren. Dabei kam unser trinkbares „Sufferhead Original – Kassel-Edition“ heraus, was in seiner Form ganz eigenständig ist. Wir befüllten 50.000 Flaschen und beklebten jedes einzelne der mattschwarzen „documenta-Kunstwerke“ mit den schwarzen Relief-Etiketten. Noch bevor die documenta am 10. Juni 2017 offiziell eröffnet wurde, ließen sich vielerorts Werbetafeln und –Plakate bewundern, die neben einem Spot und einem Radio-Jingle nicht nur Teil des Gesamtkunstwerks Ogbohs waren, sondern unsere Braukunst präsentierten. Wer hat Angst vor schwarz? Wir gewiss nicht – wir schließen freiwillig die Augen, denken zurück an diesen aufregenden documenta-Sommer und das spannende Projekt, das dieser uns brachte und nehmen einen großen Schluck Sufferhead. Wir lieben schwarz und freuen uns auf weitere spannende Projekte.

Fotos: Mathias Voelzke, Bild 9 und 10: FULDAUFER